Die Zeiten, in denen man ein großes Loch grub, um dann den ganzen Hausschutt darin verschwinden zu lassen, sind vorbei. Das ehemalige Wohnhaus der Großeltern meines Partners muss nun einem neuen Stall für Milchkühe weichen. Das ist natürlich noch Zukunftsmusik, schließlich muss erst einmal das 350 Jahre alte Gebäude beseitigt werden. Da ein neuer, moderner Stall bekanntlich enorme Geldsummen verschlingt, war für uns von Anfang an klar: Der Hausabriss wird in Eigenregie durchgeführt!

Hausabriss Planung

Wer ein Haus baut oder bauen lässt, der plant natürlich im Vorhinein. Genauso sollte man bei der umgekehrten Variante – den Abriss – die Planung nicht vernachlässigen. Wer kann mir helfen? Gibt es hilfsbereite Verwandte, Bekannte, die die Arbeit nicht scheuen und anpacken? Den Urlaub für den Abbruch beim Arbeitgeber rechtzeitig bekanntgeben. Wir wohnen gleich daneben, somit ist vieles leichter, ansonsten sollte man sich vielleicht Gedanken um einen Baucontainer und ein WC machen.

Den Hausabriss Vorarbeiten

Befinden sich noch Möbel oder anderes im Gebäude, könnten diese eventuell auf einem Flohmarkt verkauft werden. Ich vereine gerne Modernes mit Altem und so habe ich die meisten Möbelstücke aus dem alten Haus aufbewahrt und teilweise schon in unsere Wohnung integriert.
Um die Wasseranschlüsse, Leitungen und Kabeln sollte man sich relativ früh kümmern, da man nicht weiß, welche Überraschungen hier auf einen warten. In unserem Fall musste ein Mitarbeiter der Post kommen, da das Festnetz über das alte Haus angeschlossen war. Kosten: € 150,-
Eine Stromleitung war am Dach befestigt und so bestellten wir auch hier Fachmänner her, die neben dem alten Gebäude einen Strommast setzten. Kosten: € 300,-

Hausabriss Genehmigungen und der Ablauf

Die wichtigste Genehmigung für den Hausabriss ist die Abbruchgenehmigung, die man sich am Gemeindeamt einholen kann. Kosten: € 110,-

Für die zweite Genehmigung kam ein Gutachter einer Firma, die Bauschutt schreddert. Dieser machte sich ein genaues Bild von allen Materialien, die wir in Schwerstarbeit mit Bagger und Muskelkraft auf mehreren Haufen trennten. Er gab uns schließlich das OK, dass wir dieses und jenes Schreddern und Entsorgen durften.

Untersuchung bzw. Genehmigung zum Schreddern: Kosten € 900,- ( Ein kleiner Schock, weil unser altes Gebäude besteht hauptsächlich aus natürlichen Materialien und so dachten wir uns, was ist schon dabei, wenn wir diese brechen und schreddern lassen und auf einem unserer Waldwege hinstreuen, falsch gedacht, das geht so nicht mehr. Frei nach dem Motto: Von der Natur, zurück zur Natur. Die großen Steine, das bisschen Lehm, das Schilf in den Decken… was soll das der Natur schaden. Heraklithplatten (Wärmedämmung) , Fenster und Kamin bei der nächsten Abfallsammelstelle zu entsorgen, sollte selbstverständlich sein. Weiters wurde bei der Abfallsammelstelle viel anderer Unrat abgegeben, da man früher so ziemlich alles beim Hausbau entsorgt hat (Glasflaschen, etc.) Schreddern: Kosten ? ist noch im Gange, wahrscheinlich um die € 3.000,-

Die ganz großen Steine (Granit) haben wir verschenkt . Sie werden als Stützmauer gerne eingesetzt. Hierfür muss man aber unbedingt einen Zettel schreiben, um bei eventuellen Kontrollen nachweisen zu können, wo die Steine hingekommen sind. Dieser sollte vor allem die ungefähre Menge und Name und Adresse des Beschenkten und Käufers beinhalten, wie ein Lieferschein.
Die gut erhaltenen Ziegelsteine haben wir mit einem Maurerhammer vom Mörtel befreit. Auf Paletten gestapelt und mit einer Folie abgedeckt, um mit ihnen ein Weinregal für den Keller zu bauen. Man kann Ziegelsteine auch verkaufen, es gibt Formate, die heute nicht mehr hergestellt werden, für die gutes Geld geboten wird.
Auch für alte Pfosten kann man Käufer finden. Ein Bekannter hat für seine Holzpfosten € 4000 Euro erhalten. Das viele andere Holz, das in dem Gebäude verbaut war haben wir mühselig geschnitten und gehackt – zum Verheizen. Die etlichen, teilweise verrosteten Nägel haben wir zuerst mit einem Hammer durchgeschlagen und dann mit einer Zange rausgezogen. Hier unbedingt gute Arbeitshandschuhe tragen.

Werkzeug und Maschinen – was wird insgesamt benötigt

Jede Baustelle ist natürlich individuell, wir haben mit folgenden Maschinen gearbeitet: Bagger, Traktor mit Frontlader, Kreissäge
Werkzeug: eine Grundausstattung an Schraubenschlüsseln und Schraubenziehern, Maurerhammer, Vorschlaghammer, Schlosserhammer, Hacke, Spaten, Meißel + mehrere Schaufeln (mind. eine spitze), Schubkarren

Wir haben generell viel Werkzeug und mussten uns nichts extra kaufen. Es gibt Firmen, die für Maschinen einen Mietservice anbieten.

Sicherheitsbekleidung: Ganz wichtig sind meiner Meinung nach wasserfeste Sicherheitsschuhe, die eine durchtrittsichere Sohle und Stahlkappe vorweisen können. Hier gibt es Sicherheitsstufen und Zusatzangaben, je nach Bedarf. Ohne meine Schuhe hätten sich schon viele rostige Nägel in meine Füße gebohrt. Auch der Kopfschutz hat schon vielen das Leben gerettet.
Sonstige weitere Sicherheitsbekleidung und Maßnahmen zur Minimierung des Verletzungsrisikos kann man auf vielen Seiten im Internet oder Fachzeitschriften nachlesen.

Würden wir es noch einmal so machen?

Ja, wir würden definitiv wieder selbst den Abriss durchführen. Aus dem einfachen Grund, dass ein Abbruchunternehmen damit zu beauftragen, finanziell für uns nicht tragbar wäre. Ehrlich gesagt habe ich mir aber alles einfacher vorgestellt. Bevor wir zur Tat schritten, hatte ich die Vorstellung wie ich mit einem Hammer schreiend auf das Haus zulaufe und drauflos schlage, als eine Art Anti-Aggressions-Training 😉
Aber das mühselige Trennen und Verarbeiten der Materialien lässt einen manchmal schon verzweifeln, weil man sich wie in einem unendlichen Kreislauf von Staub, altem Holz und Mauern fühlt. Wir haben jeden Schritt fotografisch dokumentiert, einerseits falls jemand seitens der Behörden etwas wissen möchte, andererseits um irgendwann unseren Kindern später einmal zeigen zu können, wie alles einmal ausgesehen hat.
Wir sind noch mittendrin, aber wenn ich mir jetzt schon den Vergleich vom Anfang und den Ist-Zustand anschaue, dann ist man stolz auf sich.

Man kann allerdings auch verstehen, warum in Österreich immer mehr Leute alte Häuser einfach verfallen lassen. Der bürokratische Aufwand, die Zeit, die Muskelkraft, die Nerven, die man braucht.

Liebe Grüße,
Sarah